Pass that Hat!

Es ist ein heikles Thema, dass unter vielen Musikern heiß und innig diskutiert wird. Der wunderbare Martti Mäkkelä hat sogar einen Song darüber geschrieben: Der Spendenhut

Die meisten von Euch sollten mit diesem Konzept vertraut sein, man sitzt in einer Kneipe und führt ein angeregtes Gespräch (das ist Thema für einen weiteren Blogpost), das ein- oder andere Kaltgetränk findet seinen Weg in die staubtrockene Kehle oder – für die Cafe Besucher – ein heißer Schluck Espresso spült die letzten Kuchenkrümel in den Magen. In der kleinen Ecke, auf der spärlich beleuchteten Bühne oder auch ganz Zentral spielt ein Mensch mit Gitarre, Akkordeon oder Triangel ein paar Songs.

Wie aus dem nichts taucht jemand neben euch auf, streckt einen verfilzten Hut, einen gebrauchten Coffee to Go Becher oder ähnliches Behältniss entgegen und bittet um eine
kleine Spende für die Musik.

Wir wechseln kurz die Perspektive – wir schlüpfen also in die Schuhe des Musikers oder der Künstlerin in der kleinen Ecke und drehen die Uhr ca. vier Stunden nach vorne. Es ist Samstag Nachmittag. Unser Protagonist packt Instrumente, Verstärker, Merchandise und alles was sonst noch gebraucht wird in die entsprechenden Taschen, Koffer und Kisten und begibt sich auf den Weg durchs Treppenhaus zum Auto, der Bahn einer Mitfahrgelegenheit oder direkt zur Fuß zur besagten Kneipe.

Dort angekommen werden Kabel gesteckt, der „Sound gecheckt“ eine Setlist geschrieben, nochmals Ablauf, eventuelle Pausen und sonstige Details mit dem Veranstalter besprochen und schlicht und ergreifend auf den Beginn des Konzerts gewartet. In der Regel startet ein paar Stunden nachdem die heimischen vier Wände verlassen  wurden (manchmal auch viele Stunden wegen Anreise, Stau, Verzögerungen) das Konzert. Jetzt beginnt der wohl angenehmste Teil des Abends und der Musiker oder die Musikerin tut warum sie hier ist – Songs spielen.

Nach 60 Minuten hat man dargeboten was in den letzten Monaten in feinster Detailarbeit erdacht, komponiert und einstudiert wurde, rollt die ersten Kabel zusammen und beginnt Gitarre, Mundharmonika und Co. wieder in ihre angetrauten Behältnisse zu verstauen. Es wird der Schweiß von den Gitarrensaiten gewischt und mental schon der Besuch im nahegelegenen Musikladen geplant, ein weiteres Konzert würden diese Saiten wohl nicht überstehen. Nachdem alles Equipment verstaut wurde bereitet sich der Künstler bei einem letzten Kaltgetränk darauf vor den Heimweg anzutreten (um sich dort der bürokratischen Seite des Hobbies/Jobs zu widmen und die Unterlagen für die Gema vorzubereiten, E-Mails zu beantworten und die nächsten Konzerte zu planen) und sich vom Kneipier den Spendenhut auszahlen zu lassen.

Soweit die Situation. Mit wie viel sollte unser Protagonist nach 6 Stunden Vorbereitung, Anreise, Konzert und Abbau also rechnen dürfen? Wenn der Spendenhut 30 Leute erreicht und jeder und jede Besucherin 2 Euro gibt, kann sich unser Künstler also 60.-
Euro in die Hemdtasche stecken, okay – wir ziehen den Satz Saiten, Sprit oder Busgeld
ab und landen danach bei 49.- Euro. Wenn wir daraus einen Stundenlohn errechnen
kommen wir auf ein Ergebnis von 8,17 Euro/brutto pro Stunde und enden damit unter
dem gesetzlichen Mindestlohn. Ihr fühlt euch jetzt schlecht? Recht so – in vielen Fällen spielen an einem Abend mehrere Künstler, die sich die einnahmen dann noch teilen. Ein Kinobesuch (mit Popcorn, Parkhaus oder Bahnticket) und allem drum und dran kostet schnell mal 17.- Euro für 1,5 Stunden Entertainment. Der Eintritt in einen Club, ein Cafe bei einer großen Kette oder auch ein belegtes Brötchen beim Bäcker schlägt teurer zu buche.

Wer also will, dass auch weiterhin Livemusik ein Teil der bunten Kulturwelt ist, sollte
sich bewusst machen was ihm/ihr eine künstlerische Darbietung Wert ist. Wenn im oben genannten Beispiel jeder Besucher 5 Euro in den Hut geworfen hätte, wäre der Abend für unseren Singer-Songwriter als rentabel durchgegangen.

Ganz wichtig – jeder sollte geben was er oder sie sich leisten kann. Wenn es für was zum Essen auf dem Tisch fehlt sind auch 50 Cent okay, wer gerade auf einen neuen Porsche spart, darf ruhig auch mal einen 10er, 20er oder ähnlichen Schein in den Hut werfen ;D

 

 

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